RAW-Konverter – die digitale Dunkelkammer

RAW-Konverter sind spezielle Bildbearbeitungsprogramme, die RAW-Dateien interpretieren, bearbeiten und für verschiedene Einsatzzwecke exportieren können. Der Übergang zu anderen Software-Gattungen sind fließend, einige RAW-Konverter übernehmen auch die Verwaltung der Bilder und bieten erweiterte Funktionen zur kreativen Bildbearbeitung und Ausgabe für Web, Druck und Diashows.

Außer den reinen RAW-Konvertern können auch andere Programme RAW-Dateien interpretieren und bearbeiten. Dazu gehören Bildbearbeitungsprogramme wie Adobe Photoshop, Affinity und GIMP, aber auch Programme zur Bildverwaltung wie ACDSee oder MediaPro.

Wie macht ein RAW-Konverter?

RAW-Dateien werden gerne mit Negativen aus der analogen Fotografie verglichen: Als solche sind sie nicht dazu gedacht, betrachtet zu werden, bilden aber die richtige Grundlage, um optimale Positive zu erzeugen.

Im Gegensatz zu anderen Bildbearbeitungsprogrammen arbeiten RAW-Konverter nicht-destruktiv. Dies bedeutet, dass die ursprünglich aufgenommene Datei nicht verändert wird. Stattdessen wird zu dem Bild ein Set von Anweisungen gespeichert, wie es bearbeitet werden soll. Erst im letzten Schritt werden all diese Befehle durchgeführt und das Ergebnis z.B. in eine JPEG oder TIFF-Datei exportiert. Auch hier bleibt die Originaldatei unberührt.

So lassen sich auch „virtuelle Kopien“ einer Datei erzeugen: Auf die identische Originaldatei lassen sich mehrere verschiedene Befehlssätze anwenden, die in verschiedenen Interpretationen des Ausgangsbilds resultieren – z.B.  eine Schwarzweiß- und eine Farbvariante.

In diesem Youtube Video ist das Arbeitsprinzip von Adobe Lightroom als typischer RAW-Konverter gut beschrieben.

RAW-Konverter Workflow

Wie sieht jetzt der Arbeitsablauf aus, wenn eine RAW-Datei bearbeitet werden soll? Ein typischer Arbeitsablauf sieht im Überblick so aus:

  • Aufnahme
  • Import und Archivierung
  • Sichtung, Auswahl, Bewertung, Organisation und Verschlagwortung
  • Bild-Bearbeitung
  • Ausgabe

Je nach Konverter kann der Ablauf anders aussehen. Adobe Lightroom setzt z.B. voraus, dass die Bilder zunächst in die eigene Datenbank importiert werden. In anderen Konvertern entfällt diese Schritt, sie erlauben es, ein Bild direkt zu öffnen und zu bearbeiten.

Import

Die Kernaufgabe eines RAW-Konverters ist die Bearbeitung von RAW-Dateien. Die gleiche Funktionalität lässt sich auch auf JPEG- und TIFF-Daten oder andere Bildformate anwenden. Einige Programme erlauben es, RAW-Dateien einfach zu öffnen, andere wie der Marktführer Lightroom setzen voraus, dass die Datei in die interne Datenbank importiert wird.

Die Archivierung der Daten ist zwar kein originärer Bestandteil des Workflows, eine zuverlässige und regelmäßige Sicherung aller Bilddateien sollte jeder Fotograf im Auge haben.

Sichtung, Auswahl, Bewertung, Organisation und Verschlagwortung

Um sich in größeren Bildmengen zurecht zu finden und den Datenbestand im Rahmen zu halten, sollten die importierten Bilder im ersten Schritt gesichtet, ggf. aussortiert, bewertet und nach verschiedenen Strategien bewertet werden:

  • Verschlagwortung (Vergabe von Keywords)
  • Anlegen von Sammlungen

Grundeinstellungen

Im ersten Schritt der eigentlichen RAW-Entwicklung werden Grundparameter für das jeweilige Motiv eingestellt. Ziel ist es, den ursprünglichen oder gewünschten Bildeindruck zu reproduzieren:

  • Weißabgleich
  • Belichtung
  • Helligkeit
  • Kontrast

Farbbearbeitung

  • Sättigung
  • Einzelne Farbbereiche

Details

  • Scharfzeichnung
  • Rauschreduzierung

Fehler-Korrektur

Im diesem Bearbeitungsschritt werden Fehler korrigiert, die während der Aufnahme entstanden sind. Wenn Kamera, Objektiv und Aufnahmedaten bekannt sind, können einige RAW-Konverter spezielle Korrekturprofile anwenden, um z.B. die bekannte Chromatische Aberration. Verzeichnung und Vignettierung eines Objektivs bei einem bestimmten Blendenwert zu korrigieren.

Ausrichtung / Beschnitt

  • Gerade richten
  • Perspektiv-Korrektur
  • geometrische Korrektur
  • Beschnitt

Effekte

  • SW-Konvertierung
  • Farbe
  • Vignette
  • Künstliches Rauschen

Maskierung – gezielte Bearbeitung von Bildbereichen

Alle bis jetzt genannten Bearbeitungsschritte können sowohl auf das ganze Bild angewendet werden als auch auf einzelne Bereiche. Für die Auswahl stehen in den meisten aktuellen RAW-Konvertern zur Verfügung

  • Lineare Verläufe oder Verlaufsfilter
  • Radial-Verläufe
  • Pinsel

Der für Herbst 2016 angekündigte RAW-Konverter On1 RAW arbeitet zusätzlich mit Ebenen, in denen Filter etc. über das eigentliche Bild gelegt werden können.

Ausgabe

  • Datei
  • Druck
  • Diashow
  • Buch
  • Web

Stand Alone oder Plugin?

Photoshop, Affinity, On1 Photo haben integrierte RAW Konverter, um Dateien aus der Kamera ohne den Umweg über einen spezialisierten RAW-Konverter machen zu müssen.

 

Vor- und Nachteile

Entscheidende Vorteile RAW-Konverter

  • Individuelle Bearbeitung nach eigenen Vorstellungen
  • Alle Informationen sind noch in der Datei enthalten
  • Retten von Schatten und Lichtern
  • Details werden sichtbar, die im JPEG verschwunden waren
  • Non-Destruktive Bearbeitung
  • Lässt sich nicht ohne weiteres verändern, daher beweisfest

Nachteile

  • Dateigrößen
  • Zeitaufwand
  • Nicht direkt darstellbar
  • Unsichere Zukunftsfähigkeit
  • Prinzipielle Möglichkeiten / Workflow
  • Geht auch mit JPEGs, Problem Artefakte und bereits verlorene Informationen

 

Kamera-spezifische Konverter

Vielen Digitalkameras, die RAW-Dateien ausgeben können, liegen Programme bei, mit denen sich die RAW-Dateien umwandeln lassen. Oft sind dies speziell angepassete Software-Pekte, die auch auf dem freien Markt verfügbar sind.

Mobile RAW-Konverter

Die Bearbeitung von RAW-Dateien muss nicht mehr an Desktop-Rechnern oder auf Laptops stattfinden. Auch für Tablets unter iOS und Android werden RAW-Konverter angeboten.

RAW-Bearbeitung unter Linux

Auf für Linux gibt es einige RAW-Konverter:

Kostenlose RAW Konverter

Neben den kommerziellen Produkten werden auch einige kostenlose RAW-Konverter angeboten:

Welches ist jetzt der beste RAW-Konverter?

Ein einziges Programm lässt sich nicht pauschal als bester RAW-Konverter festlegen, alle relevanten Programme haben spezielle Stärken und Schwächen. Um die Auswahl einzuschränken, sind diese Kriterien am wichtigsten:

  • Plattform: Windows, Mac oder Linux? Oder mobil unter iOS oder Android
  • Kamera-Kompatibilität: Welcher Konverter unterstützt meine Kamera?
  • Kosten: Kauf, Abo oder lieber kostenlos

Wenn diese Fragen geklärt sind, ist die Auswahl schon stark reduziert. Danach muss jeder für sich entscheiden, welche Kriterien am wichtigsten sind:

  • Ausgabequalität
  • Workflow
  • Funktionsumfang